Serigraphie und Lithografie werden oft verwechselt – beide sind druckgrafische Originaltechniken, beruhen aber auf völlig unterschiedlichen Prinzipien. Wer den Unterschied kennt, erkennt nicht nur die Technik, sondern versteht auch, warum die beiden so verschieden wirken. Hier die wichtigsten Punkte auf einen Blick.

Der grundlegende Unterschied: Durchdruck gegen Flachdruck
- Serigraphie (Siebdruck) ist ein Durchdruck: Die Farbe wird mit einem Rakel durch ein feines, gespanntes Gewebe gedrückt. Nicht druckende Stellen sind durch eine Schablone abgedeckt. Jede Farbe erhält ein eigenes Sieb.
- Lithografie (Steindruck) ist ein Flachdruck: Sie nutzt das Abstossen von Fett und Wasser auf einer ebenen Stein- oder Plattenoberfläche. Gedruckt wird, was der Künstler mit fetter Kreide gezeichnet hat.
So erkennt man sie auseinander
| Merkmal | Serigraphie | Lithografie |
|---|---|---|
| Druckprinzip | Durchdruck (Sieb) | Flachdruck (Stein/Platte) |
| Farbwirkung | kräftige, deckende Farbflächen mit klaren Kanten | kreidig-malerisch, weiche Übergänge |
| Farbauftrag | dicke, oft fühlbare Farbschicht | dünn und flach |
| Typische Optik | grafisch, plakativ, leuchtend | zeichnerisch, tonal, atmosphärisch |
| Verbreitung | Pop Art, Plakatkunst | klassische Künstlergrafik seit dem 19. Jh. |
Eine einfache Faustregel: Wirkt das Blatt wie eine flächige, leuchtende Grafik mit scharfen Rändern und satten Farben, ist es meist eine Serigraphie. Sieht man eine kreidige, gezeichnete Oberfläche mit weichen Tönen und feinen Verläufen, deutet das auf eine Lithografie hin.
Ein Blick in die Geschichte
Die Lithografie wurde bereits 1798 erfunden und prägte die Künstlergrafik des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Serigraphie als künstlerisches Medium kam erst Mitte des 20. Jahrhunderts auf und wurde vor allem durch die Pop Art – etwa durch Andy Warhol – weltberühmt. Die unterschiedliche Herkunft erklärt auch die unterschiedliche Bildsprache beider Techniken.
Beide sind Originalgrafik
Wichtig: Sowohl Serigraphie als auch Lithografie sind – sofern vom Künstler gestaltet und in limitierter, nummerierter Auflage gedruckt – eigenständige Originalkunstwerke. Sie sind nicht mit maschinellen Reproduktionen (etwa einem Posterdruck eines Gemäldes) zu verwechseln. Franz K. Opitz schuf unter anderem Originallithografien wie «Paris» (1949).
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Häufige Fragen
Ist eine Serigraphie wertvoller als eine Lithografie?
Nicht grundsätzlich. Der Wert hängt von Künstler, Motiv, Auflagenhöhe, Zustand und Seltenheit ab – nicht allein von der Technik.