Radierung – Strichätzung, Vernis mou und Kaltnadel

Die Radierung ist das wohl vielseitigste Tiefdruckverfahren. Anders als beim Kupferstich, bei dem die Linie mühsam in das Metall gegraben wird, übernimmt bei der Radierung die Säure die Arbeit: Sie ätzt die Zeichnung in die Platte. Das erlaubt eine freie, fast zeichnerische Linienführung – und eine ganze Familie verwandter Ätztechniken.

«Wachsendes», Aquatinta von Franz K. Opitz, 1973, 27x36cm
«Wachsendes», Aquatinta, 1973 – Tiefdruckarbeit von Franz K. Opitz

Das Grundprinzip der Ätztechnik

Eine Kupfer- oder Zinkplatte wird mit einem säurefesten Grund (Firnis, Wachs oder Asphalt) überzogen. In diese Schicht zeichnet der Künstler mit der Radiernadel, sodass das blanke Metall freigelegt wird. Im Säurebad – dem «Ätzen» – greift die Säure nur die freigelegten Linien an und vertieft sie. Anschliessend wird die Platte eingefärbt, die Oberfläche blank gewischt und unter hohem Druck aufs Papier gedruckt. Wie tief eine Linie geätzt wird, bestimmt, wie kräftig sie druckt.

Die wichtigsten Ätz- und Radiertechniken

  • Strichätzung (Linienradierung): die klassische Form – freie, geätzte Linien für Zeichnung und Schraffur.
  • Vernis mou (Weichgrundätzung): Der Ätzgrund bleibt weich und klebrig. Drückt man Papier, Stoff oder Blätter hinein und zieht sie wieder ab, nimmt der Grund deren Struktur auf – es entstehen weiche, körnige, fast zeichnerische Texturen.
  • Aquatinta: erzeugt flächige Tonwerte statt Linien und wird häufig mit der Radierung kombiniert.
  • Kaltnadel: ganz ohne Säure – die Linie wird direkt in die Platte geritzt; der aufgeworfene Grat gibt der Linie ihre charakteristisch samtige Tiefe.

Woran erkennt man eine Radierung?

  • ein in das Papier geprägter Plattenrand (typisch für den Tiefdruck)
  • fein erhaben fühlbare Linien, da die Farbe aus den Vertiefungen leicht aufträgt
  • bei der Weichgrundätzung weiche, körnige Strukturen statt scharfer Linien
  • handsigniert und nummeriert am unteren Blattrand

Ätztechniken im Werk von Franz K. Opitz

Franz Karl Opitz hat den Tiefdruck – insbesondere die Aquatinta – über viele Jahre genutzt und dabei die malerischen Möglichkeiten des Ätzens voll ausgeschöpft. Seine abstrahierten Kompositionen leben vom Zusammenspiel feiner Linien und atmosphärischer Tonflächen. Viele dieser Blätter sind als Künstlerprobe bzw. épreuve d’artiste bezeichnet.

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Häufige Fragen zur Radierung

Was ist der Unterschied zwischen Radierung und Kupferstich?

Beim Kupferstich wird die Linie mechanisch mit dem Stichel in das Metall gegraben. Bei der Radierung ätzt die Säure die Linie ein – das ermöglicht eine freiere, lockerere Strichführung.

Was bedeutet «vernis mou»?

«Vernis mou» ist französisch für «weicher Firnis» und bezeichnet die Weichgrundätzung. Durch den weich bleibenden Ätzgrund lassen sich Materialstrukturen abdrucken und besonders weiche, körnige Linien erzielen.

Ist eine Radierung wertvoll?

Als handgedruckte Originalgrafik in limitierter Auflage ist die Radierung ein eigenständiges Kunstwerk. Der Wert richtet sich nach Künstler, Motiv, Auflage, Technik und Erhaltungszustand.

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