Künstlerprobe und épreuve d’artiste – Bedeutung und Wert

Auf druckgrafischen Blättern findet man neben Nummerierungen wie «4/12» manchmal die Bezeichnung «épreuve d’artiste», abgekürzt «e.a.», oder auf Deutsch «Künstlerprobe» (englisch: artist’s proof, «A.P.»). Doch was bedeutet das genau – und beeinflusst es den Wert eines Blattes?

«Massouri», Aquatinta von Franz K. Opitz, 1992, als Künstlerprobe bezeichnet
«Massouri», Aquatinta, 1992 – als Künstlerprobe (épreuve d’artiste) bezeichnet

Was ist eine Künstlerprobe?

Die Künstlerprobe ist ein Abzug ausserhalb der nummerierten Auflage, der traditionell dem Künstler selbst vorbehalten bleibt. Ursprünglich dienten diese Probeabzüge dazu, den Druck zu kontrollieren und Farbe, Tonwerte sowie Papier einzustellen, bevor die eigentliche Auflage gedruckt wurde. Der Künstler entschied an diesen Blättern, wann das Ergebnis seinen Vorstellungen entsprach. Üblich ist ein Umfang von etwa fünf bis zehn Prozent der regulären Auflage.

Künstlerproben werden statt einer Nummer mit dem entsprechenden Kürzel («e.a.», «K.P.» oder «A.P.») bezeichnet und sind in der Regel ebenfalls handsigniert.

épreuve d’artiste, e.a., A.P. – alles dasselbe?

Ja. Es handelt sich lediglich um sprachliche Varianten desselben Begriffs:

  • épreuve d’artiste / e.a. – französisch, im europäischen Kunstraum am gebräuchlichsten
  • Künstlerprobe / K.P. – deutsche Bezeichnung
  • artist’s proof / A.P. – englische Bezeichnung

Davon zu unterscheiden sind weitere Probeabzüge wie der «bon à tirer» (der finale Freigabe-Abzug) oder der «hors commerce» (h.c.), der nicht für den Verkauf bestimmt ist.

Wie wirkt sich das auf den Wert aus?

Künstlerproben sind in der Regel seltener als die nummerierten Blätter und stammen direkt aus dem persönlichen Besitz des Künstlers. Auf dem Markt werden sie deshalb meist mindestens gleichwertig, häufig sogar etwas höher gehandelt als ein vergleichbarer nummerierter Abzug. Entscheidend für den Preis bleiben jedoch immer der Künstler, das Motiv, die Auflagenhöhe, der Erhaltungszustand und die Qualität des Abzugs. Die Bezeichnung «e.a.» allein macht ein Blatt also nicht automatisch teurer – wohl aber besonders.

Künstlerproben bei Franz K. Opitz

Zahlreiche grafische Arbeiten von Franz Karl Opitz – insbesondere seine Aquatinten – sind als Künstlerprobe bzw. épreuve d’artiste bezeichnet, darunter Blätter wie «Massouri» (1992) oder «Servia» (1979). Auch die frühe Lithografie «Paris» (1949) trägt diese Kennzeichnung. Diese Abzüge stammen damit aus dem unmittelbaren Werkbestand des Künstlers.

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Häufige Fragen

Ist eine Künstlerprobe ein Original?

Ja. Eine Künstlerprobe ist ein vollwertiger, handgedruckter Originalabzug – lediglich ausserhalb der nummerierten Auflage gezogen.

Wie viele Künstlerproben gibt es pro Auflage?

Es gibt keine feste Regel, üblich sind jedoch etwa fünf bis zehn Prozent der Gesamtauflage.

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